Heimatmuseum und Archiv Karl Blum in Hettenleidelheim

Geschichte der Tongruben 1)

museum01Museum und Archiv der Gemeinde Hettenleidelheim gleichermaßen ist das Haus Hauptstraße 42, das die Gemeinde einem rührigen Verein zur Verfügung gestellt hat. Bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück reicht der Blick der Besucher, wenn sie in drei Geschoßen die Geschichte der ehemaligen Orte Hettenheim und Leidelheim (seit 1556 zusammengeschlossen).

Bekannt wurde der Ort im "Eisenberger Becken", seit ab 1767 die Wormser Bischöfe Tongruben anlegen ließen. 1890 gab es im Hettenleidelheimer Revier fast 130 Tief- und Tagebaugruben. Heute ist die Gemarkung "Erdekaut" zwischen Hettenleidelheim und Eisenberg Landschaftsschutzgebiet. Einige Hettenleidelheimer (oder in der eigenen Mundart "Hettrumer") arbeiten heute noch in der Feuerfestindustrie bzw. in den vier verbliebenen Gruben in Eisenberg.
 

museum02So nimmt es nicht wunder, daß sich der Schwerpunkt des Museums mit dem Tonbergbau beschäftigt. Wer sich von Altbürgermeister Josef Becker oder Wolfgang Mittrücker führen läßt, der stößt im 1. OG des Heimatmuseums gleich auf altes Handwerkszeug der Bergleute. Schlagmesser und -spaten, mit denen der Ton ausgestochen wurde, Transportbehälter für Sprengstoff, eine im Fachjargon "Hunt" genannte Lore und ein Förderkübel, an die Puppen in Bergmannskleidung gestellt sind, verdeutlichen die Arbeit, die den Menschen hier in Tiefen bis zu 75 Meter über Jahrhunderte Brot gab. Viele historische Fotos aus den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Tongewinnung hier industriell aufgezogen wurde und Hettenleidelheim einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm, belegen das frühere Geschehen und Aussehen dieser Region des Leiningerlandes. Weltweit war Hettenleidelheim für seine Tone bekannt, sogar in die USA musste geliefert werden.

Im Chamottewerk 1)

Grubenlampen, vom "Frosch" (er leuchtete mit Rüböl) bis hin zur Karbid- und Benzinlampe geben einen Eindruck von der technischen Entwicklung im Bergbau. Produkte aus der Erde ("feuerfeste Steine") geben eine Vorstellung über die Produktion der Chamottewerke. Tonarten mit Brennproben sind zu besichtigen, die gelben und grünen Tone taugten mehr für die keramischen Werke (Steingutfabrik), die Nutzung des feuerfesten Tons wird an der Ausmauerung eines Hochofens demonstriert. Natürlich fehlt nicht eine große Übersichtskarte des Grubengebietes. Briefbögen ehemaliger Tongrubenbesitzer dokumentieren eindrucksvoll das frühere wirtschaftliche Leben. Eine Zeittafel gibt eine wichtige Übersicht über den Tonabbau, den schon Kelten und Römer begonnen hatten.

Küche um 1900 1)

Ein Schmuckstück des Museums ist gewiß die Küche, eingerichtet wie um das Jahr 1900; so war sie sicher in vielen Häusern anzutreffen. Zu jedem Einrichtungsgegenstand wissen die Führer kleine Geschichten zu erzählen, sei es vom gußeisernen Ofen bis zur Milchzentrifuge. Natürlich gehört auch ein "Henkelmann" dazu, wie ihn die Bergleute für das Mittagessen mitgenommen hatten. Ein hölzerner Kühlschrank, ausgeschlagen mit Zinkblech, steht in der Ecke und wartet auf Stangeneis, um das Bier zu kühlen. Im Nebenraum, der Schlafstube, findet sich das 1-1/2fache Bett - und die Braut, die davor steht trägt schwarz, wie es damals Brauch war, über dem "kleinen Schwarzen" (100 Jahre alt) hat sie den weißen Schleier.

Traditionsfahnen 1)

Kostbarkeiten sind die Fahnen im entsprechenden Zimmer. Neun Banner und Fahnen im Kleinformat zieren die Wände, ein Stück Gesellschaftspolitik von Hettenleidelheim spiegelt sich wider. Das älteste Stück ist aus dem Jahr 1857, die Fahne des Krankenunterstützungsvereins, den die Bergleute gegründet hatten. Die Region - vor allem das benachbarte Carlsberg - war für seine Handelsmänner bekannt; so gehört sie dazu: die Fahne des Handelsvereins von 1905. Die Fahnen der "Thongrubenarbeiter" von 1894 oder des Bürgerunterstützungsvereins von 1887 zeigen, wie man sich damals gegen unverschuldete soziale Not zu schützen versuchte. Soldaten-, Krieger- und Artillerie-Vereinigung zeugen von kriegerischen Zeiten im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Wer mit Muse ein Stück Geschäftswelt oder Handwerk um 1900 studieren will, kann dies im 2. OG. Die Schuhmacherwerkstatt von Franz Wild ist komplett erhalten. Werkzeuge geben ein Bild vom Handwerk der Schreiner, Sattler oder auch der Landschaft; und wer kennt schon einen " Latwergrührer"? (Latwerg ist Pflaumenmus).

Das Heimatmuseum hat den Zusatznamen "Archiv Karl Blum" (dem Ehrenbürger von Hettenleidelheim ist auch das Museum gewidmet). Hier ist das Lebenswerk dieses Heimatforschers (Jahrgang 1906) zusammengetragen. Karl Blums historischem Sachverstand und Fleiß verdankt die Gemeinde ihre schier lückenlose Ortsgeschichte. 31 Buchmanuskripte, 60 Stammtafeln alteingesessener Familien und reichhaltige Materialien sind eine Fundgrube für alle, die sich in ihrer Heimat auskennen wollen. Wer weiß heute noch, daß Hettenleidelheim einmal eine eigene Zeitung ("Hettenleidelheimer Tagespost - Nachrichten für das Tonindustriegebiet und Umgebung") hatte? Den Empfangsraum des Museums, dessen Wände die bisherigen Bürgermeister zieren, nutzt auch gerne die örtliche Volkshochschule.

Figurengruppe Dorfbötinnen

figuren01Eine wichtige Neuigkeit im Heimatmuseum Hettenleidelheim ist eine Gruppe lebensgroßer Figuren, die nur Dank einiger großzügiger Spenden realisiert werden konnte. Eine 3er - Gruppe zeigt zwei Dorfbötinnen, die im Auftrag der Dorfbewohner Bedarf des täglichen Lebens, der nicht im Ort selbst gedeckt werden konnte, aus den naheliegenden Städten Grünstadt, Frankenthal, sogar auch Worms, besorgten. Diese Dorfbötinnen waren ein Berufsstand, der sich in der Familie weitervererbte. Die letzte Dorfbötin war noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts unterwegs. Die 4. Figur zeigt einen Handelsmann mit einer typischen Rückentrage, wie er ebenso noch in den 30er Jahren, sowohl in Süd- als auch in Norddeutschland unterwegs war.
 

 

 

 

 
 
Heimatmuseum -Archiv Karl Blum-
Hauptstraße 42
67310 Hettenleidelheim

 

Geöffnet : Dienstags von 18 bis 19 Uhr, Tel.: 06351-42750
und nach Vereinbarung
Tel. : 06351-42586

1) Auszug aus dem Buch "Burgen und Museen im Landkreis Bad Dürkheim und der Stadt Neustadt/Weinstraße"
Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers :
Kreissparkasse Bad Dürkheim-Grünstadt
Kreisverwaltung Bad Dürkheim
sowie des Autors Manfred Letzelter